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Nelson Müller
Nicht alltägliche Wunder oder: Die Emotionen
des Geschmacks
Kindheitserinnerungen
prägen ja oft ein Leben lang. Da gibt es Gerüche, Geschmackserlebnisse
und so vieles mehr. Die Eltern (der Vater arbeitete früher an einer
Botschaft in Rom) leben heute in London, betreiben einen Großhandel
für afrikanische und karibische Lebensmittel, wodurch sich wohl
auch die Liebe der Mutter zum Kochen erklären lässt. Nelson
Müller ist aber eigentlich zum Kochen über seine Pflegefamilie,
deren Nachnamen er auch trägt, gekommen. Essen ist dort Teil der
Lebenskultur und gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie haben eine wichtige
Rolle gespielt. Nelson half als Kind im Garten, zog Johannisbeeren und
Zucchini, um dann das Gemüse zusammen mit seiner Mutter in der
Küche zu köstlichen Leckereien zuzubereiten. Eine "starke
Naturverbundenheit" habe er seitdem. In der Kulturhauptstadt Essen,
wo er heute lebt, hat er schöne Ecken zum Wandern gefunden, wozu
er allerdings mittlerweile selten kommt.
"Wenn ich was mache, dann bin ich ehrgeizig", sagt Nelson Müller.
Und was er alles macht!
Aber der Reihe
nach: Er konzentrierte sich als Jugendlicher einerseits auf Parties,
andererseits auf eine neu entdeckte Leidenschaft: das Kochen. Bei einem
Kochpraktikum in einem Gourmetrestaurant packte es Nelson Müller:
"Ich fand die wilden Köche toll!" Das rauhe Küchenklima,
die Hitze, das Dekorieren der Teller: "Das war Punk und Rock'n'roll".
Er machte eine Ausbildung zum Koch in Stuttgart im Restaurant "Fissler
Post" und kocht dann bei Sternekoch Holger Bodendorf im "Veneto"
auf Sylt. Später war er bei Lutz Niemann in der "Orangerie"
am Timmendorfer Strand und als Souschef von Henri Bach in dem mit zwei
Michelin- Sternen ausgezeichneten Restaurant "Residence" in
Essen tätig.
Seine Liebe gehört
auch der Musik: Nelson hat eine wahnsinnig tolle Stimme, der man gern
zuhört. Ab und zu singt er bei der "Jim-Rockford-Band",
die unter anderem Soul- und Funk-Lieder covert, aber auch mal eigene
Songs spielt.
Nelson organisierte
im Restaurant einer Freundin eine "Musik-Koch-Veranstaltung",
über die eine Zeitung berichtete - und auf einmal war er Fernsehkoch
in der WDR-Reihe "Die rote Schürze". Ein Casting bei
"Kerner" folgte, wo er einmal den Kochlöffel schwang.
Bei "Lanz" gehört er inzwischen zu den Stamm-Köchen
und auch aus der ZDF-Sendung "Die Küchenschlacht", in
der er als Moderator und Juror auftritt, ist er gar nicht mehr weg zu
denken. Bekannt ist Nelson auch aus der WDR-Sendung "Daheim und
Unterwegs", wo er vor der Kamera leckere saisonale und regionale
Gerichte zubereitet.
Damit nicht genug, seit
September 2009 nennt Nelson Müller das Essener Restaurant "Schote"
sein Eigen. "Das hatte vorher schon einen guten Ruf, darauf konnte
ich aufbauen", erzählt er. Zehn Mitarbeiter hat er, ist aber
auch "fast jeden Abend" selbst im Restaurant anzutreffen.
Eine kleine, feine Karte mit zwei Menüs und einigen Zwischengerichten
gibt es, alle zwei Monate wird die Karte komplett ausgewechselt. Er
habe sehr viel zu tun, aber "es macht Spaß". Nebenher
betreibt er mit seinem Team auch noch eine Kochschule namens "Food
& Flavour", veranstaltet Events, Kochkurse und Parties. Zwei
bis drei Veranstaltungen pro Woche sind die Norm.
Und was ist
sein persönliches Lieblingsgericht? "Die deutschen Klassiker",
antwortet Nelson überraschend. Eintöpfe, Dampfnudeln, Schnitzel:
"Diese Gerichte fürs Herz, die Mama gekocht hat. Soulfood."
Dabei würde er immer einen liebevollen Klatsch und eine Umarmung
seiner bayerischen Tanten spüren. "Eigentlich ist das Leben
ganz einfach. Die Natur ist wunderschön und einfach. Eine gekochte
Kartoffel mit Meersalz und Butter, das ist schon was." Dahin ginge
auch beim Kochen der Trend. "Man sieht doch auch wieder Currywurst
auf Veranstaltungen. Dreierlei gestapelte Häppchen mit diesem auf
jenem - davon haben die Leute doch die Schnauze voll!" Produkte
aus der Region fachgerecht verarbeiten, das sei wichtig: "nicht
übertreiben, nicht verhunzen". Diese "Bodenständigkeit
mit Graupensuppe" erlebe er oft im Ruhrgebiet. "Trotz der
vielen Kochsendungen im Fernsehen wird nicht unbedingt frischer gekocht",
kritisiert er. Auch, dass Familien gemeinsam essen würden, fehle
vielfach.
Gourmetkoch,
Sänger, Naturliebhaber: Nelson Müller zeigt viele Facetten.
Und doch hat man das Gefühl, dass man noch längst nicht alle
Seiten seiner Persönlichkeit kennt. Also der Direktangriff: Wie
er sich denn selbst so beschreiben würde? Na, das sei schwierig,
Nelson grübelt. Und fasst zusammen: Sternzeichen Wassermann sei
er, also sehr freiheitsliebend. Er habe Sinn für Gerechtigkeit,
sei weltoffen, lege aber viel Wert auf "traditionelle, deutsche
Werte" wie Fleiß, Ehrgeiz und Pünktlichkeit. "Mir
gefällt das Streben nach Perfektion." Dabei lässt er
die Harmonie jedoch nie außer Acht. Er ist immer um eine positive
Stimmung in seinem Umfeld bemüht. Das merkt man auch: Er ist wahnsinnig
sympathisch und freundlich, da wundert es nicht, dass er die Herzen
sofort im Sturm erobert!
Sedcard von Nelson Müller (PDF)
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